Blasenschwäche

Die Blasenschwäche oder auch "Harninkontinenz" genannt entspricht einer Speicherfunktionsstörung der Harnblase. Hierbei kommt es zu unfreiwilligem Harnverlust zur unpassenden Zeit am unpassenden Ort. In Abhängigkeit von der Ursache der Harninkontinenz unterscheidet man verschiedene Formen der Harninkontinenz:
 

Die Streßinkontinenz und die Dranginkontinenz sind die am häufigsten auftretenden Inkontinenzformen. Bis zum 60. Lebensjahr leiden überwiegend Frauen unter Harninkontinenz. Die Streßinkontinenz bei Frauen wird meistens durch Beckenbodenschwäche verursacht, als Folge vorausgegangener Geburten (Überbelastung des Beckenbodens aber Schädigung der Blasennerven). Ab dem 50. Lebensjahr sind auch zunehmend Männer betroffen, insbesondere von der Überlaufinkontienz und der Dranginkontinenz, nach Operationen (Prostata) auch von der Streßinkontinenz.

Erstaunliche Behandlungsvorschläge sind aus dem 18. Jahrhundert bekannt.
 

Streßinkontinenz (Belastungsinkontinenz)

Streßinkontinenz bedeutet nicht, daß die Harninkontinenz durch Streßsituationen verursacht wird, sondern durch Druckerhöhung im Bauchraum, die auf die Harnblase übertragen wird, der ein funktionsgestörtes (geschwächtes) Verschlußorgan nicht standhält und so zum Verlust von Urin führt. Der Urinverlust tritt typischerweise beim Husten, Niesen Lachen, Aufstehen, Hüpfen, Laufen und Anheben oder Tragen von Lasten auf, also immer wenn abrupte Druckerhöhungen im Bauchraum erzeugt werden.
 

Behandlung der Streßinkontinenz

In Abhängigkeit von der Schwere der Streßinkontinenz und der Position der Harnblase im Becken, ergeben sich mehrere Behandlungsmethoden. Bei einer gering- bis mittelgradigen Harnstreßinkontinenz ist meistens schon eine regelmäßig durchgeführte Beckenbodengymnastik erfolgreich. Hierbei wird durch tägliches Training die Muskulatur des Beckenbodens und dem Schließmuskel der Blase wieder die notwendige Verschlußfunktion erreicht. Der Erfolg stellt sich allerdings nur bei regelmäßigem Training ein. Das Biofeedbacktraining ist eine technische Erweiterung des Beckenbodentrainings: durch Lichtsignale oder Töne wird über ein Gerät angezeigt, ob die Übungen zur Kräftigung der Muskeln optimal durchgeführt werden. Durch Elektrostimulation der Beckenbodenmuskulatur ist eine vergleichbare Behandlungsmethode, hierbei werden die Muskeln durch elektrische Impulse trainiert. Die Behandlung mit Östrogenen kann als zusätzliche unterstützende Maßnahme sinnvoll sein. Bei deutlichem Übergewicht (wollen Sie wissen ob Sie übergewichtig sind?), kann schon eine Gewichtsreduktion zu einer deutlichen Besserung Ihrer Beschwerden führen. Wenn diese Behandlungsmethoden nicht erfolgreich sind, z.B. bei mittelerer bis schwerer Harnstreßinkontinenz, ist eine Operation nicht mehr vermeidbar. Insgesamt kennt man inzwischen ca. 200 verschiedene Operationsmethoden, die aber alle die Rekonstruktion eines intakten Beckenbodens, bzw. der Schaffung eines Widerlagers für die Blasenöffnung und der
hinteren Harnröhre anstreben. Ein häufig und mit gutem Erfolg durchgeführter Eingriff ist die Operation nach "Burch" (Abb. 1) : Die vordere Vaginalwand wird durch Nähte so fixiert, daß die Blasenöffnung (Blasenauslaß) und die hintere Harnröhre wie in einer Hängematte positioniert sind, dadurch wird ein Widerlager gebildet, welches bei Druckerhöhungen im Bauchraum  die Blasenöffnung passiv verschließt. Der Erfolg der Operation hängt ab von der vorhandenen Organstruktur und der anschließenden Belastung. Übergewichtige haben meist eine geringere Erfolgswahrscheinlichkeit  als Normalgewichtige. Die Erfolgsrate nach 5 Jahren wird sehr unterschiedlich angegeben (40-80%). Bei der Streßinkontinenz des Mannes (z.B. nach Prostata-Operation) und bei erfolglos behandelter Streßinkontinenz der Frau kann mit einem künstlichen Schließmuskel (Sphinkterprothese, Abb. 2 (K. Höfner, U. Jonas)) therapiert werden. Mittels einer kleinen Druckmanschette wird die Blase hydraulisch verschlossen und kann zum Harnlassen auf Knopfdruck wieder geöffnet werden. Die Erfolgrate liegt bei 90%, allerdings sind
Korrektureingriffe bis zu 30% während der der ersten 5 Jahre notwendig. Bei Patienten die nicht mehr operiert werden können bleibt die Möglichkeit der mechanischen Hilfsmittel z.B. Pessare, Urethral-Plugs (Harnröhrenstöpsel),  Windeln, Vorlagen, Kondomurinale und Harnableitungen (Katheter). Wobei die Katheterversorgung, unabhängig ob transurethral oder suprapubisch, durch zwangsläufig auftretende Entzündungen und Infektionen in Harnblase und Harnröhre, die schlechteste, aber leider z.B. im Altenheimalltag häufig praktizierte Methode ist.
 

Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz)

Bei der Dranginkontinenz ist nicht der Blasenverschluß gestört, sondern die Funktion des Blasenmuskels (Detrusor), der durch Zusammenziehen den Urin austreibt (Entleerungsfunktion).  Bei Normalfunktion tritt dieser Blasenmuskel erst in Aktion wenn die Harnblase ihre Maximalfüllung erreicht hat (400-600 ml) und dem Harndrang nachgegeben wird. Bei der Dranginkontinenz ist dieser Blasenmuskel (Detrusor) auch schon bei geringer Füllung (100-200 ml) aktiv, der Harndrang ist dann meistens so heftig, daß der Urin nicht mehr zurückgehalten werden kann. Typische Beschwerden bei der Darnginkontinenz sind: starker, überfallartiger Harndrang mit gleichzeitigem Harnverlust, häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen, Einnässen kurz bevor die Toilette erreicht wird, insbesondere bei Gehbehinderten.
 

 

Die Behandlung der Dranginkontinenz

Die Dranginkontinenz ist die Domäne der medikamentösen Therapie. Ein Operation  wie z.B. bei der Streßinkontinenz würde zu einer Zunahme der Beschwerden führen. Es ist deshalb sehr wichtig durch entsprechende Untersuchungen (Blasendruckmessung, Blasenspiegelung usw.) die Art der Harninkontinenz herauszufinden. Durch Medikamente (z.B. Anticholinergika) kann die Dranginkontinenz in der Mehrzahl der Fälle gut behandelt werden. Zuvor müssen Blasenentzündungen, Blasensteine und Blasentumore sowie Entzündungsprozesse in benachbarten Organen ausgeschlossen bzw. behandelt werden. Wenn die medikamentöse Behandlung nicht erfolgreich ist, können die Elektrostimulation der entsprechenden Nerven hilfreich sein. Beim Versagen aller übrigen Behandlungsformen bleibt letztendlich noch der operative Eingriff z.B. eine Blasenvergrößerungsplastik.
 

Überlaufinkontinenz

Der Überlaufinkontinenz geht zunächst eine Blasenentleerungsstörung voraus (z.B. wegen Prostatavergrößerung), die Blase wird im akuten Zustand der Überlaufinkontinenz nicht mehr aktiv durch den Detrusor entleert, vielmehr ist die Blase prall gefüllt. Beim Erreichen eines entsprechend hohen Blasendruckes wird der Schließmuskel überwunden und es entlleert sich tröpfchenweis Urin bis sich ein niedrigeres Druckniveau eingestellt hat. Die Behandlung besteht im Fall einer gutartigen Prostatavergrößerung in der Prostataresektion (Abhobeln der Prostatadrüse).
 
 

Reflexinkontinenz

Bei der Reflexinkontinenz besteht keine willkürliche Kontrolle mehr über die Speicherfunktion der Blase aber auch über die Entleerungsfunktion. Der Reflex zur Blasenentlerung wird schon durch geringe Blasenfüllvolumen oder unspezifische Reize z.B. leichtes Klopfen auf den Unterbauch ausgelöst und kann nicht kontrolliert werden.  Ursache ist die Unterbrechung der Nervenverbindungen zum zentralen Steuerungszentrum im Gehirn durch Querschnittlähmung, Multiple Sklerose, Schlaganfall, Hirntumore
Spina bifida usw.. Behandlung: Medikamentöse Dämpfung bzw. Ruhigstellung des Detrusors, Dämpfung des Blasenmuskels durch Durchtrennung der entsprechenden Nerven (bei komplett Querschnittgelähmten), Erweiterungsplastiken der Harnblase.
 

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