Die Blasenschwäche oder auch "Harninkontinenz"
genannt entspricht einer Speicherfunktionsstörung
der Harnblase. Hierbei kommt es zu unfreiwilligem Harnverlust zur unpassenden
Zeit am unpassenden Ort. In Abhängigkeit von der Ursache der Harninkontinenz
unterscheidet man verschiedene Formen der Harninkontinenz:
Erstaunliche
Behandlungsvorschläge sind aus dem 18. Jahrhundert bekannt.
Streßinkontinenz (Belastungsinkontinenz)
Streßinkontinenz bedeutet nicht,
daß die Harninkontinenz durch Streßsituationen verursacht wird,
sondern durch Druckerhöhung im Bauchraum, die auf die Harnblase übertragen
wird, der ein funktionsgestörtes (geschwächtes) Verschlußorgan
nicht standhält und so zum Verlust von Urin führt. Der
Urinverlust tritt typischerweise beim Husten, Niesen Lachen, Aufstehen,
Hüpfen, Laufen und Anheben oder Tragen von Lasten auf, also immer
wenn abrupte Druckerhöhungen im Bauchraum erzeugt werden.
Behandlung der Streßinkontinenz
In Abhängigkeit von der Schwere der
Streßinkontinenz und der Position der Harnblase im Becken, ergeben
sich mehrere Behandlungsmethoden. Bei
einer gering- bis mittelgradigen Harnstreßinkontinenz ist meistens
schon eine regelmäßig durchgeführte Beckenbodengymnastik
erfolgreich. Hierbei wird durch tägliches Training die Muskulatur
des Beckenbodens und dem Schließmuskel der Blase wieder die notwendige
Verschlußfunktion erreicht. Der Erfolg stellt sich allerdings nur
bei regelmäßigem Training ein. Das Biofeedbacktraining ist eine
technische Erweiterung des Beckenbodentrainings: durch Lichtsignale oder
Töne wird über ein Gerät angezeigt, ob die Übungen
zur Kräftigung der Muskeln optimal durchgeführt werden. Durch
Elektrostimulation der Beckenbodenmuskulatur ist eine vergleichbare Behandlungsmethode,
hierbei werden die Muskeln durch elektrische Impulse trainiert. Die Behandlung
mit Östrogenen kann als zusätzliche unterstützende Maßnahme
sinnvoll sein. Bei deutlichem Übergewicht (wollen Sie wissen ob Sie
übergewichtig
sind?), kann schon eine Gewichtsreduktion zu einer deutlichen Besserung
Ihrer Beschwerden führen. Wenn diese Behandlungsmethoden nicht erfolgreich
sind, z.B. bei mittelerer bis schwerer Harnstreßinkontinenz, ist
eine Operation nicht mehr vermeidbar. Insgesamt kennt man inzwischen ca.
200 verschiedene Operationsmethoden, die aber alle die Rekonstruktion eines
intakten Beckenbodens, bzw. der Schaffung eines Widerlagers für die
Blasenöffnung und der
hinteren
Harnröhre anstreben. Ein häufig und mit gutem Erfolg durchgeführter
Eingriff ist die Operation nach "Burch" (Abb. 1) : Die vordere Vaginalwand
wird durch Nähte so fixiert, daß die Blasenöffnung (Blasenauslaß)
und die hintere Harnröhre wie in einer Hängematte positioniert
sind, dadurch wird ein Widerlager gebildet, welches bei Druckerhöhungen
im Bauchraum die Blasenöffnung passiv verschließt. Der
Erfolg der Operation hängt ab von der vorhandenen Organstruktur und
der anschließenden Belastung. Übergewichtige haben meist eine
geringere Erfolgswahrscheinlichkeit als Normalgewichtige. Die Erfolgsrate
nach 5 Jahren wird sehr unterschiedlich angegeben (40-80%).
Bei
der Streßinkontinenz des Mannes (z.B. nach Prostata-Operation) und
bei erfolglos behandelter Streßinkontinenz der Frau kann mit einem
künstlichen Schließmuskel (Sphinkterprothese, Abb. 2 (K. Höfner,
U. Jonas)) therapiert werden. Mittels einer kleinen Druckmanschette wird
die Blase hydraulisch verschlossen und kann zum Harnlassen auf Knopfdruck
wieder geöffnet werden. Die Erfolgrate liegt bei 90%, allerdings sind
Korrektureingriffe bis zu 30% während
der der ersten 5 Jahre notwendig. Bei Patienten die nicht mehr operiert
werden können bleibt die Möglichkeit der mechanischen Hilfsmittel
z.B. Pessare, Urethral-Plugs (Harnröhrenstöpsel), Windeln,
Vorlagen, Kondomurinale und Harnableitungen (Katheter). Wobei die Katheterversorgung,
unabhängig ob transurethral oder suprapubisch, durch zwangsläufig
auftretende Entzündungen und Infektionen in Harnblase und Harnröhre,
die schlechteste, aber leider z.B. im Altenheimalltag häufig praktizierte
Methode ist.
Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz)
Bei der Dranginkontinenz ist nicht der
Blasenverschluß gestört, sondern die Funktion des Blasenmuskels
(Detrusor), der durch Zusammenziehen den Urin austreibt (Entleerungsfunktion).
Bei Normalfunktion tritt dieser Blasenmuskel erst in Aktion wenn die Harnblase
ihre Maximalfüllung erreicht hat (400-600 ml) und dem Harndrang nachgegeben
wird. Bei der Dranginkontinenz ist dieser Blasenmuskel (Detrusor) auch
schon bei geringer Füllung (100-200 ml) aktiv, der Harndrang ist dann
meistens so heftig, daß der Urin nicht mehr zurückgehalten werden
kann. Typische Beschwerden bei der Darnginkontinenz sind: starker, überfallartiger
Harndrang mit gleichzeitigem Harnverlust, häufiges Wasserlassen in
kleinen Mengen, Einnässen kurz bevor die Toilette erreicht wird, insbesondere
bei Gehbehinderten.
Die Behandlung der Dranginkontinenz
Die Dranginkontinenz ist die Domäne
der medikamentösen Therapie. Ein Operation wie z.B. bei der
Streßinkontinenz würde zu einer Zunahme der Beschwerden führen.
Es ist deshalb sehr wichtig durch entsprechende Untersuchungen (Blasendruckmessung,
Blasenspiegelung usw.) die Art der Harninkontinenz herauszufinden. Durch
Medikamente (z.B. Anticholinergika) kann die Dranginkontinenz in der Mehrzahl
der Fälle gut behandelt werden. Zuvor müssen Blasenentzündungen,
Blasensteine und Blasentumore sowie Entzündungsprozesse in benachbarten
Organen ausgeschlossen bzw. behandelt werden. Wenn die medikamentöse
Behandlung nicht erfolgreich ist, können die Elektrostimulation der
entsprechenden Nerven hilfreich sein. Beim Versagen aller übrigen
Behandlungsformen bleibt letztendlich noch der operative Eingriff z.B.
eine Blasenvergrößerungsplastik.
Überlaufinkontinenz
Der Überlaufinkontinenz geht zunächst
eine Blasenentleerungsstörung voraus (z.B. wegen Prostatavergrößerung),
die Blase wird im akuten Zustand der Überlaufinkontinenz nicht mehr
aktiv durch den Detrusor entleert, vielmehr ist die Blase prall gefüllt.
Beim Erreichen eines entsprechend hohen Blasendruckes wird der Schließmuskel
überwunden und es entlleert sich tröpfchenweis Urin bis sich
ein niedrigeres Druckniveau eingestellt hat. Die Behandlung besteht im
Fall einer gutartigen Prostatavergrößerung
in der Prostataresektion (Abhobeln der Prostatadrüse).
Reflexinkontinenz
Bei der Reflexinkontinenz besteht keine
willkürliche Kontrolle mehr über die Speicherfunktion der Blase
aber auch über die Entleerungsfunktion. Der Reflex zur Blasenentlerung
wird schon durch geringe Blasenfüllvolumen oder unspezifische Reize
z.B. leichtes Klopfen auf den Unterbauch ausgelöst und kann nicht
kontrolliert werden. Ursache ist die Unterbrechung der Nervenverbindungen
zum zentralen Steuerungszentrum im Gehirn durch Querschnittlähmung,
Multiple Sklerose, Schlaganfall, Hirntumore
Spina bifida usw.. Behandlung: Medikamentöse
Dämpfung bzw. Ruhigstellung des Detrusors, Dämpfung des Blasenmuskels
durch Durchtrennung der entsprechenden Nerven (bei komplett Querschnittgelähmten),
Erweiterungsplastiken der Harnblase.